Forstwirtschaft in Deutschland

Standort
  Der Standort (Boden + Klima) ist entscheidend
  für die Baumartenwahl!

Ein Fernsehbericht, der recht anschaulich viele Aufgaben und Tätigkeiten von Förstern darstellt, in diesem Falle in einem großen Priivatwaldbesitz in Baden-Württemberg. Der Privatwald ist mit die mit 48% Flächenanteil wichtigste Form des Waldbesitzes in Deutschland. Auch die große Bedeutung der Fichte (mit 25% Flächenanteil in Deutschland) als "Brotbaum" der Forstwirtschaft und die Bedeutung der Jagd sind gut beschrieben: https://www.youtube.com/watch?v=C2MPPnsz5iY 

Wegen der weiteren prüfungsrelevanten Informationen zum Wald in Deutschland wird auf die Vorlesungsunterlagen verwiesen!

Zu den aktuellen Problemen des Waldes und der Forstwirtschaft durch die Auswirkungen des Klimawandels hat der MDR am 15.05.2019 einen fachlich sehr guten Bericht gesendet: Wettlauf mit dem Tod – Die Invasion der Borkenkäfer

Eine der Baumarten, von denen angenommen wird, dass sie in Klimawandel besser bestehen kann als die heute üblichen, ist die Esskastanie (Video zum Anbau von Esskastanien im Wald und ihrer Verwertung).

Wie Forstwirtschaft und Holznutzung zum Klimaschutz beitragen, zeigt ein kurzes Video des European Forest Institute vom 20.12.2018 (auf englisch): Climate Smart Forestry

Ein spezieller Ansatz dazu: Autos als Kohlenstoffsenken

 

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Holz für die Zukunft

Bambus
Bambus ist ein sehr schnell      
nachwachsender holziger Rohstoff!

Hier geht es jetzt um die Frage, wie kann die Holzversorgung Deutschlands in der Zukunft sichergestellt werden. Dabei spielt einerseits die Entwicklung der hiesigen Wälder und andererseits auch Tendenzen beim Holzverbrauch und bei der Effizienz der Holznutzung eine wichtige Rolle. Da aber auch der Holzmarkt international ist, muss der Blick auch ins Ausland gerichtet werden. An welchen Ländern können Holz oder auch ähnlich einsetzbare Rohstoffe, wie z.B. Bambus, eingeführt werden und wie ist die Nachfrageentwicklung in anderen Ländern?

Ganz grob gerechnet kann der tatsächliche inländische Verbrauch an Holzprodukten in Deutschland heute durch die heimische Produktion und die Wiederverwendung von Altpapier und Altholz gedeckt werden. Allerdings werden etwa die doppelten Holzmengen (Rohholzäquivalente überwiegend in Form von Zellstoff und Papier) auch importiert und exportiert (Zahlen und Diagramme dazu unter: https://www.thuenen.de/de/wf/zahlen-fakten/holzbilanzen/gesamtholzbilanz/). Das heißt, es werden etwa dreimal so viel "Rohholzäquivalente" in der deutschen Holzwirtschaft verarbeitet wie aus dem heimischen Wald kommen, wovon zwei Drittel importiert und auch exportiert werden. Die Handelsbilanz ist fast ausgeglichen.

Wenn künftig mehr Holz z.B. als Substitut für erdölbasierte Produkte oder im Bauwesen verwendet werden soll und wenn gleichzeitig der Wald zunehmend durch extreme Witterung und Insekten geschädigt wird, muss Holz vermehrt produziert und effektiver verwendet (oder auch importiert) werden.

 

Eine Möglichkeit zur verstärkten Produktion von Holz ist sein Anbau in Kurzumtriebsplantagen (KUP): https://www.youtube.com/watch?v=8eZB_s6LU2k

  1. Was kennzeichnet eine KUP?
  2. Welche Vorteile sehen Sie bei dieser Produktionsweise?
  3. Welche Nachteile können Sie sich vorstellen?

Wenn der Wald durch Witterungsextreme abstirbt, müssen neue Bäume her, die an veränderte Klimabedingungen angepasst sind: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Welche-Baeume-taugen-fuer-Wald-der-Zukunft,hallonds54166.html und https://www.youtube.com/watch?v=jWmsfSreK4g:

  1. Wieso wird die Fichte als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft bezeichnet und warum wird sie diesen Namen in der Zukunft nicht halten können?
  2. Welche Optionen gibt es für die Wiederbewaldung von Schadensflächen und welche Vor- und Nachteile haben sie in Hinblick auf die künftige Holzversorgung? (Das wird in den Fernsehberichten nicht alles genau erklärt! Zur vollständigen Beantwortung müssen Sie auch ein paar Kenntnisse über Forstwirtschaft und Holzverwendung haben und passende gedankliche Verknüpfungen herstellen.)
  3. Worauf ist bei der Anpflanzung ausländischer Holzarten zu achten?

Ergänzend zur Sicherung der heimischen Holznachwuchses sollte das Holz effiizienter genutzt werden. Der Ansatz dazu ist die Kaskadennutzung:

  1. Erläutern Sie das Prinzip der Kaskadennutzung an einem praktischen Beispiel!

Auch zur Schonung aller anderen Rohstoffen sollten alle Produkte, wie z.B. ein Möbelstück, grundsätzlich solange wie möglich (wieder)verwendet werden. Im Bereich von Bauteilen wird dies durch Bauteilbörsen gefördert (kurzes Video dazu). Wenn sie defekt sind, wäre es wünschenswert, sie zu reparieren oder ihre Einzelteile für andere Zwecke zu nutzen. Bei Holzkonstruktionen sollte das zuletzt sehr verbreitete Verkleben und Vernageln vermieden und durch demontierbares Verschrauben, Verzapfen und Einklinken ersetzt werden.

Altholz erfreut sich steigenden Interesses beim Bau von Möbeln und Wandverkleidungen

 

 

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Erzeugung und Verwendung von Schnittholz

Ein guter Einblick in die "normale" forstliche Holzernte (interessant für das Thema Forstwirtschaft!), den anschließenden Einschnitt im Sägewerk und die besonders wichtige Verwendung von Nadelschnittholz im Bauwesen:

Vom Baum zum Brett (Holzverarbeitung: Vom Baum zum Brett | Wie geht das? | NDR)

Mit HIlfe dieses Videos lassen sich einige Prüfungsfragen beantworten, in manchen Fällen aber auch nur mit Hilfe der Vorlesungsfolien:

  1. Stellen Sie skizzenartig den Produktionsablauf in einem Sägewerk dar.
  2. Welches sind die Haupt- und Nebenprodukte im Sägewerk, wie hoch ist die „Ausbeute“ und von welchen Faktoren hängt diese ab?
  3. Was für "Holzabfälle" fallen im Sägewerk an und wofür werden diese verwendet?
  4. Welche Arten von Sägemaschinen gibt es, die im Sägewerk eingesetzt werden und was sind ihre jeweiligen Vor- und Nachteile? (Die in Deutschland früher am meisten verbreitete Sägetechnik kommt im Video nicht vor!)
  5. Nennen drei verschiedene Bauprodukte aus verleimtem Schnittholz. (Auf dem Foto unten sind Beispiele zu sehen. Unbedingt wissen sollten Sie, was "CLT" ist und welche Bedeutung es heute hat!)

Verleimte Schnittholzprodukte

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Agroforstwirtschaft

Alley Cropping in Brandenburg
   Alley Cropping in Brandenburg

Zur Agroforstwirtschaft (engl. agroforestry) zählen die verschiedensten Kombinationen landwirtschaftlicher Nutzungen (Ackerbau und Viehzucht) mit Bäumen und Sträuchern. Bekannte Beispiele dafür sind in Mitteleuropa Streuobstwiesen und Feldhecken (einschließlich Knicks). Aktuell besonders wirtschaftlich erscheinen streifenweise Kurzumtriebsplantagen in Ackerflächen (Agrarholz, "Alley Cropping"). Diese werden z.B. seit 2010 im östlichen Brandenburg getestet, wo wegen der besonders geringen Niederschläge die Minderung der Verdunstung durch Windschutz besonders wichtig ist. Auf der Website des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft finden Sie weitere Informationen und Antworten auf viele Fragen dazu.

Landwirte haben aus den verschiedensten Gründen eine Abneigung gegen (zusätzliche) Bäume auf ihren Flächen. Auch wenn manche positiven Effekte bekannt sind, so werden sie doch wegen der Langfristigkeit der erforderlichen Investitionen und der Konkurrenz um Fläche und Licht nicht gerne neu gepflanzt. Hinzu kommen drei weitere ernsthafte Probleme: Die Flächenprämie wird bisher nur unter besonderen Umständen für Gehölzflächen gezahlt, auf Pachtland ist man auf die Zustimmung des Eigentümers angewiesen und örtlich vorhandene Drainagen können durch Baumwurzeln verstopft werden.

Hier geht es jetzt darum aufzuzeigen, dass Investitionen in Gehölze lohnend sein können und wie der Gesamtertrag der Fläche mit Bäumen und Sträuchern höher werden kann als ohne diese.

Rein von der Biomasseerzeugung her kann die Kombination von Bäumen und z.B. Zuckerrüben produktiver sein als wenn beides getrennt wächst: Die einzelnen Bäume haben in Reihen mehr Licht zur Verfügung als in einem geschlossenen Bestand und bei den Zuckerrüben kann der Flächenverlust durch besseres Wachstum durch den Schutz vor Austrocknung so erhöht werden, sodass sogar der Flächenverlust durch die Bäume kompensiert wird. (Quelle: Mirck et al. 2016, S. 47-50 in: Tagungsband 5. Forum Agroforstsysteme). Auch bei anderen Feldfrucht-Gehölz-Kombinationen wurde in England beobachtet, dass die Gesamtproduktion in streifenweisen Mischungen höher ist als die in entsprechenden Reinkulturen : Lessons learnt : Silvoarable agroforestry in the UK. Die Angst vor Ertragsverlusten durch die Baumreihen ist also nicht immer berechtigt, vor allem, wenn auch die Gehölze gute Erträge bringen. Dabei muss die Produktion von Holzhackschnitzeln für die (eigene?) Energieversorgung nicht immer die beste Möglichkeit sein! Der Gesamtertrag aus Feldfrüchten und Gehölzen kann höher werden, als der der Feldfrüchte allein, auch wenn dieser mit zunehmener Größe der Bäume sinkt. Diese Tatsache und die sonstigen ökologischen Vorteile der Agrofostwirtschaft werden in einer sehr anregenden Präsentation von Patrick Worms auf den den Öko-Feldtagen 2019 und in einem (englischsprachtigen) Vortrag (PDF) anschaulich beschrieben. Auf der Website des EU-Projektes AGFROWARD werden traditionelle und innovative Agroforstsysteme in Europa anschaulich dargetellt.

Hier einige Anregungen wie Gehölze mehr Wertschöpfung liefern können als nur durch Energiehackschnitzel: In Frankreich werden Walnussbäume in Reihen auf Getreidefeldern angebaut. Diese produzieren nicht nur die teueren Nüsse, die in Deutschland fast ausschließlich aus Importen stammen, sondern auch ein sehr wertvolles Holz. (Quelle: Böllersen 2016, S. 39-46 in:Tagungsband 5. Forum Agroforstsysteme; Vielfältige Informationen und Beispiele zum Anbau und zur Verwertung der Walnuss auch unter https://www.walnussbauern.de/ und http://www.walnuss-manufaktur.de/index.php/produkte/walnuss-produkte). Im Interreg-Projekt AlpBioEco werden aktuell neue Wertschöpfungsketten für die Walnuss untersucht (Video dazu).

Esskastanien als Nahrung von Bäumen
Esskastanien = Nahrung auf Bäumen

Gleiches gilt für des Anbau von Esskastanien auf landwirtschaftlichen Flächen. Sie produzieren "Getreide auf Bäumen". (Video zum Anbau von Esskastanien im Wald und ihrer Verwertung) Auch Eicheln können nach entsprechender Vorbehandlung (Auswaschen der Gerbstoffe) als wertvolle Nahrungsmittel verwendet werden. Die Produktion von Stärke und Eiweiß für die Ernährung von Haustieren und Menschen auf Bäumen hat den Vorteil, dass sie keine jährliche Bodenbearbeitung erfordert und erheblich stabiler bei extremer Witterung ist. Ein Beispiel ist dafür die über viele Jahrhunderte ertragreiche Produktion von Esskastanien (und vielen Nebenprodukten) auf Korsika.

Vor diesem Hintergrund wird sogar diskutiert, ob man die Welternährung nicht von Getreide auf "naturnähere" Baumfrüchte umstellen könnte. Schon 1929 erschien das Buch von J. Russel Smith "Tree Crops - A Permanent Agriculture" (PDF-Download). Die erste praktische Umsetzung davon war “America’s No. 1 Tree Crop Farm”, dem Ausgangspunkt der amerikanischen Agroforestry-Bewegung. In der "New Forest Farm" in den USA wird dieses Konzept seit 20 Jahren erprobt. In den Niederlanden (Ketelbroek) hat Wouter van Eck einen "Food Forest" angelegt und erläutert wie "faule Bauern" Geld verdienen können, wenn sie Gehölze und die Natur "arbeiten" lassen. In England hat Martin Craford einen "forest garden" angelegt, den er in einem Video vorstellt. Und Geoff Lawton stellt das System des "Food Forest" sehr anschaulich dar. Das sind sozusagen extreme Formen von Agroforstwirtschaft. Nun zurück zu den "normaleren" Varianten:

Morhart et al. (2015) geben wertvolle Anregungen zur "Wertholz-Produktion in Agroforst-Systemen - Ein Leitfaden für die Praxis". Ein weiteres umfassendes Werk hat die schweizerische AGRIDEA herausgegeben: "Agroforstsysteme Hochstamm-, Wildobst und Laubbäume mit Kulturpflanzen kombinieren" (PDF-Download). Außerdem gibt es den "Leitfaden Agroforstsysteme - Möglichkeiten zur naturschutzgerechten Etablierung von Agroforstsystemen" des Bundesamtes für Naturschutz mit Empfehlungen für die naturschutzfachliche Optimierung (Artenwahl, Landschaftsbild, Biotopgestaltung usw.).

Auch Sträucher können auf landwirtschaftlichen Flächen Wind- und Erosionschutz bieten. Gerade wenn es im Frühjahr trocken ist, vermindern sie die Verdunstungsverluste der heranwachsenden Ackerkulturen. So werden z.B. in England Hecken mit Haselnüssen angelegt. In Sachen Energieholzproduktion können sie dort mit Weiden mithalten. Von der Nutzung der Nüsse war in dieser Quelle nicht die Rede, doch könnte diese einen zusätzlichen Ertrag bringen. (http://www.haselnussanbau-verein.de/index.html)

 

Neues Konzept für den Aufbau agroforstlicher Systeme in Mitteleuropa, angelehnt an bewährte Praktiken in den Tropen

Paul Hofmann stellt sein agroforstliches Konzept vor
Paul Hofmann stellt sein agroforstliches Konzept vor
Zur Einführung in eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wege zu mehr Agroforstwirtschaft“ am 23.01.2020 in Göttingen stellte Paul Hofmann sein Konzept dem Hof Sonnenwald im Schwarzwald vor. Inspiriert durch agroforstliche Systeme in den Tropen (Vorbild: Ernst Götsch) und basierend auf seiner Bachelor-Arbeit an der HNEE (PDF) hat er angefangen, sehr vielfältige Kombinationen mit Bäumen und Sträuchern aufzubauen. Vom 15. bis 19.4.2020 wird die Pflanzung (mit Freiwilligen) weitergehen. Interessant ist die oben abgebildete Kombination: Durch regelmäßige Schnittmaßnahmen, z.B. an den Kopfbäumen, soll die Belichtung gesteuert, Mulchmaterial gewonnen und die Biomasseproduktion durch den Erhalt eines mittelfrühen Sukzessionsstadiums optimiert werden (Details dazu: PDF). Zugleich wird dadurch das Angebot an ökologischen Nischen und damit die Artenvielfalt maximiert. Durch Beerensträucher und Wertholzbäume sollen in den Gehölzstreifen zusätzliche finanzielle Erträge erwirtschaftet werden.
Entscheidend für eine stärkere Verbreitung agroforstlicher Kulturen in Deutschland ist zunächst der Abbau rechtlich-finanzieller Hindernisse. Wünschenswert wäre eine Zahlung der Flächenprämie für das Gesamtsystem, da es zweifellos einen höheren ökologische Wert hat. Ein möglicher Ansatz dazu wird auf der Website der AG bäuerliche Landwirtschaft e.V. dargestellt. Ganz wichtig sind auch Beispielflächen, die zeigen, dass und wie es geht.

Eine besondere Variante der Agroforstwirtschaft mit Tierhaltung wird auf einer eigenen Seite vorgestellt: Silvopastorale Systeme

 

Laufend aktuelle Meldungen dazu unter: https://twitter.com/ErnstKursten

 

(Wird laufend ergänzt!)

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Silvopastorale Systeme

Halboffene Waldlandschaften zählen zu den ältesten Formen der Landnutzung und sind seit neolithischer Zeit (4000 v. Chr.) bekannt. In Mitteleuropa war es bis ins 20. Jh. hinein weit verbreitete landwirtschaftliche Praxis, Haustiere, wie Schweine, Rinder oder Ziegen, in den Wald zu treiben, damit sich die Tiere dort an Eicheln, Bucheckern, Kastanien oder Grünfutter satt fraßen. Sogenannte Hute- oder Hudewälder findet man heute nur noch vereinzelt. Neben dem Wald wurden traditionell auch Streuobstwiesen beweidet. (Weitere Inormationen dazu auf der Website des DeFAF)

Nachdem solche klassischen Formen der gemeinsamen Bewirtschaftung von Bäumen und Nutztieren aus verschiedenen Gründen eingestellt wurden, entwickeln sich in den letzten Jahren wieder neuartige Varianten:

1. Baumpflanzungen im Auslauf von Freilandhühnern sind eine aktuelle und sehr spezielle Möglichkeit, mit Gehölzen Mehrwert auf landwirtschaftlichen Flächen zu schaffen!

Hühnerwald
  Hühner lieben den Schutz von Gehölzen

Aktuelles Praxisbeispiel: In der Ringvorlesung der Agroforstgruppe Göttingen berichtete am 9.1.2020 Jochen Hartmann (Hof Hartmann in Rettmer (Lüneburg)) von seinen Erfahrungen mit Pappelstreifen in der Freilandhühnerhaltung: Die ersten Versuche mit mobilen Ställen auf Grünland zeigten, dass sich die Hühner nicht weit von ihren Ställen entfernen, weil sie (sehr berechtigte!) Angst vor dem Habicht hatten. Basierend auf der Erkenntnis, dass Hühner eigentlich Waldvögel sind, ließ sich Herr Hartmann von Burkhard Kayser beraten und pflanzte streifenweise Pappeln auf die Hühnerauslaufflächen. Im ersten Jahr wuchsen diese auf ca. 3 m Höhe heran und bieten den Hühnern seitdem Schutz vor Angriffen aus der Luft und auch vor Hitze. Der letzte Aspekt wurde in den beiden letzten Sommern besonders wichtig und Herr Hartmann plant inzwischen auch beschattete Plätze, wo die Mobilställe an Tage mit über 30 Grad C stehen können.

Jochen Hartmann erläutert sein Hühnerwaldkonzept
Jochen Hartmann erläutert sein Hühnerwaldkonzept

Nicht nur optisch und klimatisch machen ihm die Gehölzstreifen Freude, sondern auch betriebswirtschaftlich: So waren die Investitionskosten vergleichsweise gering und wurden bereits durch die stark verminderten Verluste durch den Habicht kompensiert. Kostenmindernd wirkte auch der Einsatz von etwa 50 Freiwilligen (Kunden mit ihren Kindern), die die Pappelruten mit in den Boden steckten und das Engagement des Großabnehmers Edeka, der die Stecklinge bezahlte. Wegen der für sie deutlich erkennbaren „naturnahen“ Haltung der Hühner und der guten Qualität zahlen die Kunden für die Eier auch gerne 40 Cent ab Hof oder 45 Cent bei Edeka. Dazu ist auch kein teures „Label“ erforderlich, sondern durch die Sichtbarkeit der Haltungsbedingungen (und d sodass die Bilanz sehr positiv wird, obwohl 1 -1,5 ha Fläche pro Mobilstall (mit je 240 Hühnern) gebraucht werden, um eine ausreichende Regenera­tion des Grünlandes nach etwa einer Woche Beweidung zu ermöglichen. Da das wöchentliche Umsetzen von Mobilzäunen eine recht unangenehme Arbeit ist, besonders bei trockenem Boden, fiel der Entschluss, jeweils einzelne Parzellen mit Grünland und Pappelstreifen dauerhaft einzuzäunen.

Weitere konkrete Beispiele mit Erläuterungen, Fotos und z.T. Videos findet man hier:

Bauckhof in KleinSüstedt (bei Uelzen) (PDF)

https://www.hühner-wald.de/

https://www.wald21.com/huehnerauslauf/

https://bernstorff.de/themen/landwirtschaft

In den Niederlanden hat man auch schon Versuche gemacht, den Wertertrag durch die Kombination von Apfelbäumen mit freilaufenden Hühnern zu erhöhen. Da die Obstbäume aber empfndlich gegenüber Bodenversichtung und Nässe sind, sollten sie nicht direkt am Mobilstall stehen, wo die Dichte der Hühner am höchsten ist (Bericht dazu (PDF): "Commercial apple orchards in poultry freerange areas")

Da die Hühner (oder auch anderes Geflügel wie Puten und Enten) aber den Boden düngen und Blätter mit Schorf sowie Schadinsekten vertilgen, gibt es auch den Ansatz, in Obstplantagen durch das Einbringen von Geflügel die Behandlungen mit Pestiziden zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Vor allem die Wirkung von Hühnern und Puten auf den Befall mit Apfelsägewespe, Apfelwickler und Kirschessigfliege interessieren die Obstbauern und wird deshalb aktuell (2019-2022) in zwei EIP-AGRI-Projekten des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) untersucht. (Ausführlicher Bericht "Puten und Hühner als Schädlingsbekämpfer" im Landwirtschaftlichen Wochenblatt) Angesichts des wachsenden Anteils der Legehennenhaltung in Mobilställen und des mit über 8% besonders hohen Zuwachswachsrate bei den Bio-Legehennen (M. Klahsen "Positiver Wandel auf dem Eiermarkt" in Land&Forst 3/2020, S. 45) bieten sich für die Kombination von Hühnern mit Obstbäumen gute Perspektiven! 

 

2. Bäume auf Weiden

Gehölze auf Rinderweide
  Gehölze auf Weiden bieten Schatten und wertvolles Futter

Nachgewiesen ist, dass Hitzestress die Leistung von Milchkühen und Schweinen mindert. Ebenso wurden positive gesundheitliche Wirkungen des Weidegangs z.B. bei Milchkühen festgestellt (dazu: Dissertation von Linda Armbrecht 2017) und auch das Interesse der Verbraucher an Milch aus Weidehaltung führt zu einer Rückbesinnung auf die Beweidung von Grünland. Angesichts vermehrter Hitzewellen und Trockenperioden, aber auch bei Sturm und Regen werden nun Bäume als Schutz und als Zusatzfutter auch wieder interessant (Beispiel in Frankreich; PDF). In einer Studie in den Niederlanden wurde festgestellt, dass die Blätter und Triebe von Erlen und besonders Weiden wegen der darin enthaltenen Mikronährstoffe wertvoller für die Rinderernährung sind, als das Gras.

 

Damwildgehege
  Damwildgehege als silvopastorales System

 

Als ein spezielles silvopastorales System kann man ein Wildgehege (mit Fleischproduktion) mit einem entsprechenden Baumbestand ansehen. Wenn dieses, wie im Falle des Natur-Damwild-Geheges "Torfstich" bei Calvörde, auf einer ehemaligen Ackerfläche angelegt wurde, dort viele Bäume gepflanzt und durch teilweise Wiedervernässung noch der Humusabbau im moorigen Unterboden gestoppt werden, so ist das ein hervorragendes Beispiel für "Carbon Farming".

 

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Bäume und Wandbegrünung statt Klimaanlage

Die vermehrten Hitzewellen motivieren immer mehr Hausbesitzer, sich eine Klimaanlage einbauen zu lassen. Der Anteil der deutschen Haushalte mit einem eingebauten Klimagerät beträgt derzeit etwa 4% und könnte bis 2030 auf 13% steigen (Quelle). Damit sind dann natürlich auch ein erhöhter Stromverbrauch und ein steigender Ausstoß von CO2 verbunden und der Klimawandel wird weiter "angeheizt". In vielen warmen Regionen der Erde, z.B. in Indien und Kalifornien, führt die Nutzung von Klimaanlagen schon häufg zu Engpässen in der Stromversorgung. Daher sollte vor dem Einbau solcher teuren Geräte überlegt werden, wie man sich besser durch traditionelle bauliche Maßnahmen, vor allem Dachüberstände und Rollos, vor Hitze schützen kann. Und auch wenn eine Klimaanlage eingebaut wird, lässt sich deren Energieverbrauch durch natürliche Schattierung deutlich reduzieren (siehe unten).

Durch die nachträglich eingebauten Rollos und die Wandbegrünung mit Efeu kann die Temperatur im nicht unterkellerten Erdgeschoss auch bei der größten Hitzewelle auf unter 24 Grad C gehalten werden.

Durch die nachträglich eingebauten Rollos und die Wandbegrünung mit Efeu kann die Temperatur im nicht unterkellerten Erdgeschoss auch bei der größten Hitzewelle auf unter 24 Grad C gehalten werden. Der Efeu schattiert die Wand und wirkt außerdem durch die Wasserverdunstung aus dem Blättern kühlend. Die Wandoberfläche bleibt so um 11 bis 25 Grad (K) kühler als ohne die Begrünung (Quelle). Infos zu den Vorteilen und Möglichkeiten von Wandbegrünungen bietet u.a. ein PDF des NABU.

 

Ein Laubengang aus Wandbegrünung und Baum macht den Aufenthalt auf der Terrasse auch bei Hitze angenehm. Natürlich dauert es einige Jahre, bis alles so gut gewachsen ist. Aber dann kann man seinen Garten (und das geschützte Haus) gerade bei Hitze viel mehr genießen, als wenn der Garten "pflegeleicht" ist:

Nicht nur lebensfeindlich für Mensch und Natur bei Sommerhitze, sondern auch ökologisch eine Katastrophe: Ein "pflegeleichter Steingarten" kostet viel Geld und verschwendet Möglichkeiten, Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen und natürliche Kreisläufe zu fördern.

Fazit: Prüfen Sie, wo Sie am besten Bäume und Rankgewächse platzieren können, um Ihr Haus im Sommer vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Grundsätzlich sollten Sie Bäume nehmen, die im Winter keine Blätter tragen, da die Sonneneinstrahlung dann erwünscht ist. Studien in Los Angeles (USA) haben erbracht, dass ein Schattenbaum jährlich die Verbrennung ca. 18 kg Kohlenstoff vermeidet (durch Stromersparnis bei der Klimaanlage) und außerdem 4,5 bis 11 kg Kohlenstoff in seinem Holz bindet (Quelle).

 

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Dr. Ernst Kürsten

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