Carbon Farming

Verfasst von Dr. Ernst Kürsten. Veröffentlicht in Allgemein

Humusvermehrung und mehr Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen für den Klimaschutz und die Abmilderung der Folgen des Klimawandels

Vergleich von BödenDas angekündigte Verbot von Glyphosat, Einschränkungen bei Pflanzenschutzwirkstoffen, die neue Düngeverordnung und die zunehmende Problematik der Wasserversorgung bewegen derzeit viele Landwirte. Sie sind daher auf der Suche nach neuen Ansätzen, wie sich unter den veränderten Rahmenbedingungen eine wirtschaftliche Produktion gewährleisten lässt.

Dabei bietet die Rückbesinnung auf den Wert eines humusreicheren und lebendigen Bodens und alte Techniken zu dessen Aufbau wertvolle Ansatzpunkte: Ein gut entwickeltes Bodenleben mit Bakterien, Pilzen und Regenwürmern hilft den Kulturpflanzen aktiv bei der Erschließung der erforderlichen Nährstoffe und erleichtert den Zugang zum Wasser. Besonders wichtig auch bei unregelmäßigen Niederschlägen: Ein stabiles humoses Bodengefüge mit Regenwurmlöchern erleichtert die Versickerung von Regenwasser und erhöht dessen Speicherfähigkeit für Dürreperioden. Humus kann das 3–5fache seines Eigengewichts an Wasser speichern. Durch z.B. 1 % mehr Humus kann der Boden 40 mm mehr Regenwasser pflanzenverfügbar speichern (Quelle: FiBL, S. 30). Eine aktuelle wissenschaftliche Metastudie zeigte, dass besonders Zwischen- und Untersaaten, sowie mehrjährige Kulturen eine bessere Infiltration des Wassers bewirken. Diese Effekte sind  sehr wichtig zur Minderung vermehrter Hochwasser- und Dürreschäden im Zuge des Klimawandels! Wesentlich ist eine permanente Bedeckung des Bodens, die zugleich auch die Erosion minimiert und das Klima für das Bodenleben optimiert. Eine besonders wirksame Form von Dauerkulturen sind Gehölze auf oder an Feldern und Weiden, sogenannte agroforstliche Systeme, die hier auf einer speziellen Seite vorgestellt werden. In einer didaktisch sehr gut gestalteten Vorlesungsreihe erläutert Prof. Dr. Ralf Otterpohl die fachlichen Grundlagen zur Bodenpflege, Wasser- und Ernährungssicherheit.

In den Interreg-Projekt "Carbon Farming" (Laufzeit 1.9.2018 - 31.8.2021) werden Beispiele zusammengetragen und verbreitet, wie auf landwirtschaftlichen Flächen mehr Kohlenstoff in Böden und Bäumen gebunden und damit auch Geld verdient werden kann. Bei einer Tagung auf der AGRITECHNICA 2019 wurden viele Aspekte des Themas dargestellt (Vorträge zum Download unten auf der Seite).

Auf Ackerflächen bestehen grundätzlich die folgenden Ansatzpunkte zur Vermehrung von Humus (siehe auch hier):

  1. Minimierung der Bodenbearbeitung
  2. Förderung der Bodenpilzflora durch Beimpfen
  3. Untersaaten
  4. Zwischenfruchtanbau
  5. Vielfältige Fruchtfolgen insbesondere mit Stickstoff-/Humusmehrern
  6. Einbringen von Kompost 
  7. Einbringen von Pflanzenkohle 
  8. Bracheperioden/ Anbau von Wildpflanzen
  9. Agroforstliche Anbausysteme und andere Gehölzpflanzungen

Ausführliche Informationen zur humusförderlichen konservierenden Bodenbearbeitung findet man auf der Website der GKB e.V. und in den dort aufgeführten Publikationen. Eine ausgezeichnete praxisnahe Broschüre zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im Jahr 2013 herausgegeben (PDF-Download). Auch auf der Website der Ökoregion Kaindorf, die ein aktuell in Mitteleuropa als Vorbild dienendes Modell zur Finanzierung des Humusaufbaus durch Zertifikate entwickelt hat, bietet viele nützliche Informationen und Weiterbildungsangebote. Auch die WENZ-Academy veranstaltet u.a. in Süddeutschland Kurse zur Praxis der regenerativen Landwirtschaft.

Angelehnt an das Kaindorfer Modell bieten u.a. die Firma CarboCert und die Stiftung Lebensraum Informationen und Humus-Zertifizierungen an. Auch die positerra GmbH offeriert Unternehmern und Privatpersonen die Möglichkeit, ihre eigenen Emissionen durch den nachweisbaren Humusaufbau zu kompensieren. 

In der Schweiz hat jüngst die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) als Finanzdienstleister ihr Interesse am Aufbau eines gemeinsamen Klimaschutzprojekts in der Region kundgetan und will den Bauern pro Tonne neu gespeichertes CO2 100 Franken jährlich auszahlen (bz-Pressebericht vom 5.2.2020). Die BLKB hatte erst am 9. Dezember 2019 zusammen mit der Zürcher Kantonalbank ein Tracker-Zertifikat auf einen weltweiten Klima-Aktienkorb lanciert. Das Zertifikat ermöglicht Anlegerinnen und Anlegern die Investition in rund 40 innovative Unternehmen weltweit, die Lösungen zur Reduktion des CO2-Ausstosses und für den Klimaschutz anbieten (Pressemitteilung vom 18.11.2019).

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